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Natur

Naturschutzgebiet Divoká Šárka – Wilde Šárka

Der Besuch des Šárka-Tals kommt einem Ausflug in die slawische Geschichte gleich. Der tschechisch klingende Name erinnert mithin an die bekannte Sage von Ctirad und Šárka (sprich Schaarka). Aber das romantische Tal hat nichts mit dieser treulosen Maid zu tun. Vielmehr bekam es seinen Namen wohl aus dem slaw. Šára oder späteren šerý (soviel wie dunkel oder düster), denn das genau war das Tal. Diese Benennung betraf anfangs offensichtlich nur den oberen Talabschnitt – die Wilde Šárka bzw. Divoká Šárka, mit der Zeit verwendete man sie aber für das gesamte Tal bis Podbaba. Anderen Quellen zufolge stammt die Bezeichnung sogar noch aus vorslawischen Zeiten. Das Gefühl der Geschichtsträchtigkeit dieses Ortes täuscht nicht, denn hier am Kozák-Felsen (Kozáková skála) breitete sich einst wirklich eine mächtige slawische Burgstätte aus. Der Kozák-Felsen bildet zusammen mit dem gegenüberliegenden Šesták-Felsen eine Klamm und einen hinreißenden Eingang ins Šárka-Tal. Die Klamm mit ihrer unmittelbaren Umgebung wird Džbán – Krug genannt.

Den gleichen Namen trägt mittlerweile auch der Stausee, der sich seit den 60er Jahren des 20. Jhd. vor dem Erddamm vor dem Felseingang staut. Er ist nahezu 1 km lang und bis zu 200 m breit (Wasserfläche 18 ha), bis zu 7,5 m tief und staut nahezu eine halbe Million Kubikmeter Wasser. Das gesamte Gelände ist heute ein gefragtes Naherholungsgebiet mit unendlichen Möglichkeiten zum Wassersport, zu Ball- und sonstigen Spielen, mit Imbissmöglichkeiten und sonstigen Dienstleistungen – für Anspruchsvolle und Genügsame gleichermaßen. Am Stausee befindet sich auch ein Zeltlager.

Die Talsperre wird vom Litovický-Bach gespeist, der in seinem weiteren Verlauf Šárecký potok heißt. Er hat ein Einzugsgebiet von ca. 60 km2, er ist nahezu 20 km lang, hat ein Gefälle von 200 m und an der Einmündung in die Moldau (Vltava) in Podbaba eine Durchflussmenge von 0,14 m3/s. Šárka-Tal – wild und romantisch.

Das Šárka-Tal hat zwei, in ihrem Charakter sehr unterschiedliche Teile. Die ‚Wilde Šárka‘ hält, was sie verspricht. Der anfangs in Stromschnellen durch das Tal schäumende und später schon stille, romantische Mäander bildende Bach, hat enge Klammen mit schroffen, ja bis zu senkrechten Felswänden aus dem harten Kieselschiefer ausgehöhlt. Das canyonartige Tal weitet sich nach einigen hundert Metern hinter der Klamm Džbán (Krug) an seiner linken Seite vorübergehend zu sanften, von Wäldern gesäumten Wiesen und Weiden aus, um sich wenig später bei dem Dívèí skok – Mädchensprung genannten Felsmassiv zu einer weiteren Klamm zu verengen. Die Gefühle, die einen an diesem anmutigen Winkel überkommen, vertonen sich unvermittelt zu Smetanas ‚symphonischem Gedicht‘.

An dieser Stelle wendet sich das Tal nach Osten, weitet sich nach einigen weiteren felsigen Schluchten allmählich aus und macht Wiesen Platz, die mancherorts sumpfig sind. An einer felsigen Anhöhe, die nach der nahen Siedlung Jenerálka benannt ist, endet das Tal. Die Felsklippen und -aussichten sind zumeist durch gut markierte Wanderwege erschlossen, die schon bei Džbán/Krug oder Dívèí skok/Mädchensprung beginnen. Mit ein wenig Vorsicht und Trittfestigkeit kann man die spektakuläre Schönheit der Wilden Šárka also auch von oben betrachten und sich an der mannigfaltigen, vom jeweiligen Standort der Felsen abhängigen Vegetation ergötzen: an den sonnigen Stellen gedeihen wärmeliebende Steppenarten, während an den schattigen, abgekehrten Seiten kälteliebende Moose und Farne wachsen.

Schon zwischen den beiden Weltkriegen, ja sogar schon früher, war die Wilde Šárka ein beliebtes Ausflugsziel der Prager. Damals gab es hier gut besuchte Gartenrestaurants – z.B. beim Mädchensprung (Dívèí skok), das bis heute in Betrieb ist, die Teufelsmühle (Èertùv mlýn – ursprünglich tatsächlich eine Mühle aus dem 17.-18. Jhd.), Želivka bei einer nahen kleinen Siedlung und das schon erwähnte Restaurant Jenerálka. Und wer nach einer Wanderung durch das Tal der Wilden Šárka müde geworden ist, kann sich im Sommer im Quellwasser des Freibads beim Mädchensprung erfrischen, das unter dem Namen U Veselíka (frei: zum Fröhlichen) bekannt ist.

Die Namensgebung ist treffend – im Gegensatz zum wilden Teil des Šárka-Tales wird das Tal ab Jenerálka immer breiter, geräumiger und übersichtlicher, mit sanften und häufig bewaldeten Hängen. Nur hier und da ragen vereinzelte Felsgebilde auf, aber die wahre Dominante dieses Teils ist die schon von Weiten zu erblickende St. Matthias-Kirche. Genauso wie die Wilde Šárka (Divoká Šárka) war auch die Stille Šárka (Tichá Šárka) – früher auch poetisch Sanfte, Zahme oder Tröstliche Šárka genannt – eine Lokalität mit prähistorischer Besiedlung; im Gegensatz zur Wilden Šárka gibt es hier aber auch neuzeitliche Besiedlung. Immer wieder stößt man bei der Talwanderung auf ehemalige Mühlen, Anwesen und vereinzelte Häuser, die sich an der wenig befahrenen Bachstraße bis Podbaba hinziehen. Noch zu Beginn des 20. Jhd. gab es hier nur einen staubigen Feldweg.

Trotz der heutigen Besiedlung blieben hier zahlreiche natürliche geschützte Lokalitäten bewahrt. So zum Beispiel das Naturgebilde Zlatnice auf einer felsigen Anhöhe rechter Hand des Sträßchens in Blickweite von Jenerálka, mit Resten einer Waldsteppe und Heide. So genannt nach einem Anwesen, zu dem noch vor dem 2. Weltkrieg der heute in Ruinen liegende Gasthof Šipkapas (sprich Schipkapas) gehörte. Angeblich bekam er seinen Namen von deutschen Studenten – der sog. Burschenschaft, die hier ausgelassen feierten. Die umliegenden, damals noch unbewaldeten Hänge waren ein bekanntes Prager Skigelände, genauso wie die einen Kilometer bachabwärts gelegenen ausgedehnten begrasten Hänge über Podháj. Weitere Naturdenkmale gibt es in der Lokalität ‚Nad mlýnem‘ (Über der Mühle) und über den Anwesen Šatovka und Žežulka mit steppenartigen Flächen. Diese sind mancherorts schon von der Straße aus zu sehen, am besten zu Sommeranfang, wenn die umliegende Vegetation noch satt grün ist, während die Steppenflächen bereits gelb und von der Sonne versengt sind.

Auf dem Sträßchen oder auch auf dem anmutigen Pfad ab der Kapelle gelangt man zu einer Stelle, an der noch unlängst die barocke Eichenmühle (Dubový mlýn) unter dem Damm des gleichnamigen Teiches stand. Die Mühle war Ende des 15. Jhd. in Besitz von P. Mysliveèek, dem Großvater des berühmten Musikdichters. Einen Kilometer weiter, noch vor der scharfen Straßenbiegung, steht die ehemalige Kalina-Mühle, auch ‚Zur letzten Münze‘ genannt – nach einer Anekdote über einen Streit der hiesigen Einwohner im 16. Jhd. In dieser Mühle wurde trotz vieler Besitzerwechsel noch bis 1935 Getreide gemahlen und bis 1945 gab es hier noch eine Bäckerei.

Ein paar hundert Meter weiter steht eine weitere ehemalige Mühle mit dem passenden Namen Mlýnek (Mühlchen), ebenfalls aus dem16. Jhd. Dieses Objekt erfüllte aber auch weitere Funktionen: an der Wende vom 19. zum 20. Jhd. befand sich hier eine Werkstatt für gehämmerte Bronzegegenstände, das Wasser aus der hiesigen wasserreichen Quelle wurde bis nach Horní Šárka getrieben, darüber hinaus gab es hier ein Gartenrestaurant von solch hervorragendem Ruf, dass man z.B. ein Festessen mit Bratente lange im Voraus reservieren lassen musste. Dabei hatte es in der ersten Hälfte des 20. Jhd. ernsthafte Konkurrenz in Form der ebenfalls beliebten Gasthöfe Podháj und Kaplanka, wo man bei sonntäglichen Blasmusik- oder Mandolinenklängen ein Röstbrot für gerademal 1 Krone bekam.

Heute gibt es hier zahlreiche Anwesen, die die Namen früherer Weingärten tragen. So gibt es hier den ausgedehnten Heøman-Hof oder Podháj, das Anwesen Zuzanka mit der Villa des bekannten Prager Fabrikbesitzers Rott, die ‚Šatovka‘ mit ehemaligem Restaurant, dessen Bezeichnung von Johannes der Täufer de Chateau, einem Kleinseitner Schneidermeisters aus dem 17. Jhd. stammt.ka Sowie die Anwesen Sanytrovka und Žežulka aus dem 15. Jhd., mit Mälzerei und selbstverständlich auch mit Gasthof und Gästezimmern, die die Prager gern als Sommerwohnung benutzten. Bei Podháj kann man zur St.-Matthias-Kirche hinaufgehen, auf einem Wege, auf dem früher Trauerzüge zum St.-Matthias-Friedhof wandelten, oder – ähnlich wie bei der Wilden Šárka – sich im quellfrischen Wasser des Freibads bei Šatovka erfrischen.

Kozí høbety (Ziegenrücken) und Sedlecké skály (Sedlec-Felsen)

Auf dem Kieselschieferkamm des Ziegenrückens (Kozí høbety), der von einem niedrigen, von Kiefern durchsetzten Wäldchen bewachsen ist, gibt es eine Raststelle mit schönem Blick nach Nordböhmen, aber auch an Orte, die mit ferner Vergangenheit verbunden sind. Einen Katzensprung von hier, hinter einer Geländewelle, ist ein Teil des Ortes Únìtice zu sehen, wo 1879 eine ausgedehnte Begräbnisstätte aus der älteren Bronzezeit freigelegt wurde. Und gerade am Ziegenrücken (Kozí høbety) wurde man 1928 fündig – sieben perfekt verarbeitete, goldverzierte Dolche. Am gegenüberliegenden Hang des Stillen Tals ragen die bizarren Felsen des Berges Holý vrch auf. Unweit von hier, in Richtung Ortsrand von Suchdol, steht auf einem ehemaligen Friedhof eine nahezu 300 Jahre alte Wenzelskapelle.

Eine weitere Sehenswürdigkeit und wunderschöne Szenerie dazu erwarten einen, wenn man vorsichtig auf einem der Pfade vom Ziegenrücken ins Reservat ‚Tiché údolí‘ (Stilles Tal) hinabsteigt und in diesem am Únìtice-Bach bis zum bekannten Gartenrestaurant Maxmiliánka weiter wandert. Auf dem Weg entlang der Grenze von Prag 6 kommen wir an Spálený Mlýn – der ‚Abgebrannten Mühle‘ am Quertal von Suchdol vorbei, an dessen Nordhängen stellenweise kompakte Heideflächen bewahrt blieben. Bei der Gaststätte kann man nach oben in den hübschen Eichenwald ‚Roztocký háj‘ abbiegen, in dem man bis zu den Hängen über der Moldau gelangt. Über den felsigen, bis zur Eisenbahnstrecke abfallenden Hängen befinden wir uns auf dem Gebiet der sog. Sedlec-Felsen mit gut bewahrter Felsensteppe und zahlreichen geschützten und seltenen Pflanzenarten. In dieses Naturschutzgebiet führt vom Ortsrand von Sedlec ein stufenartiger Weg hinauf. Auf jeden Fall wird man mit spektakulären Aussichten ins Tal der Vltava (Moldau), die romantisch verstreuten Siedlungen an beiden Flussufern sowie das Naturschutzgebiet und die Sehenswürdigkeiten am gegenüberliegenden Ufer belohnt, wo allerdings auch die Hochhäuser der Neubausiedlung Bohnice aufragen. 


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